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Ratlos an Rockenschaub – Ebbe und Glut bei ARAL

Sehr geehrte Anwesende,

es ist nicht weiter verwunderlich und absolut nachvollziehbar, dass Sie mir offenbar alles glauben.

Aufgrund Ihrer zahlreichen Anfragen zu zentralen Themen des Lebens werde ich Ihnen künftig in dieser neuen Rubrik unentbehrliche und wegweisende Antworten zukommen lassen.

Die Zeiten Ihrer Ratlosigkeit sind vorbei.

Seien Sie versichert, dass meine Einsichten und Diagnosen stets fehlerfrei und von ausgesuchter Präzision sein werden. Wer ihnen nicht zu folgen vermag, dem oder der ist nicht zu helfen.


Fangen wir also an.

Ratlos an Rockenschaub fragt:

Soll ich oder soll ich nicht?

Ich bin eine gutaussehende, erfolgreiche, heterosexuelle Werbetexterin Anfang vierzig und Single. Meine Suche nach dem Traummann gestaltet sich seit jeher schwierig.

Zunächst hatte ich mich online immer öfter in die falsche Richtung verwischt, später keine Energie mehr, sieben Tage Fitnessstudio zu erdulden, nur für den Fall, dass.

Außerdem wurde es immer schwieriger, diese ersten Verabredungen auch nur einigermaßen lebend zu überstehen.


Sie können sich nicht vorstellen, wie anstrengend es ist, das eigene Leben so in hunderte von Lügen zu komprimieren, dass man sie im Gedächtnis behalten kann.

Das Beenden dieser fadenscheinigen Dates, die in Wirklichkeit blinder sind als eine Horde Maulwürfe, hat sich mittlerweile auch unnötig verkompliziert. Die Zeiten des kostenlosen Umtauschens sind längst vorbei, und wenn das, was zum ersten Kennenlernen den Raum betritt, mit dem Profil im Internet so viel zu tun hat wie die Vaterschaftsklage des Heiligen Josef gegen die Heilige Maria, kann man eigentlich nur noch hoffen, sich auf der Stelle verflüssigen zu dürfen.


Als Frau von Welt habe ich selbstredend souverän reagiert und begonnen, potentiellen Anwärtern Bedingungen betreffs ihrer Fotos zu stellen.

Der Kandidat muss auf einer Personenwaage mit sichtbarem Display stehen, darf nicht mehr als eine Armbanduhr tragen, hält seine aktuelle Schufa- Auskunft und einen lesbaren Mietvertrag in Händen und zeigt sich ohne Kopfbedeckung.

Vielleicht können Sie mir erklären, warum ich daraufhin keine Partnervorschläge mehr bekommen habe. Wie weit soll man seine Ansprüche denn noch herunterschrauben?


Seit ich keine Lust mehr auf Online-Bekanntschaften habe, gibt es allerdings weitere Beschwernisse.

Ich musste mir für viel Geld in Miami meine Brüste und einige andere Kleinigkeiten machen lassen und die Einladung einer Bekannten zu ihrer Scheidungsparty hinnehmen. Kann man tiefer sinken?

Es war im Übrigen allerhöchste Zeit, dass sie sich von diesem Mann trennt. Die zwei haben Jahre aneinander vorbeigeredet und sich wahrlich nichts mehr zu sagen.


Das ausgelassene Fest endete dann als überraschendes Roadmovie à la Thelma und Louise. Allerdings mit mir und dem Ex-Gatten der Dame im Cabrio. Ich hatte natürlich nicht vor, mich mit ihm zu unterhalten.

Der Grand Canyon fehlte leider, ebenso wie Brad Pitt. Dafür gab es das Wattenmeer und eine Tankstelle. Wir waren schnurgerade in Richtung Westen gefahren, und kehrten, nachdem die Nordsee, wie so oft der Fall, nicht anwesend war, romantisch bei ARAL ein, wo man zu so früher Stunde bereits geöffnet hatte. Der Tankwart war gerade dabei, die Brötchen vom Vortag aufzubacken.

Welch schöne Analogie zu dem gebrauchten Mann an meiner Seite, werden Sie sagen. Stimmt, aber so kann es kommen, wenn man hungrig einkauft.

Warum allerdings, fragen Sie sich garantiert im selben Atemzug, schreibt mir diese unglaublich faszinierende, interessante und begehrenswerte Frau dann überhaupt?

Weil es zu diesem merkwürdigen Vorfall kam!


Nachdem wir getankt hatten, kaufte der frisch Geschiedene einen Riegel Mars und ein Bounty.

Völlig unerwarteterweise warf er den Riegel Mars mit großer Geste auf den ölbefleckten Betonfußboden zwischen den Zapfsäulen.

„Draufsteigen“, sagte er zu mir.

„Wie bitte?“

„Stell dich auf das Mars!“

„Warum?“

„Frag nicht lang, mach es einfach.“


Kaum war ich widerwillig auf den Riegel getreten, quoll die klebrige Füllung aus der geplatzten Verpackung seitlich unter der Sohle meines sauteuren DOLCE&GABBANA- Stiefels hervor.

„Wer bist Du jetzt?“, fragte er und strahlte. „Sag schon!“

Ich schüttelte stumm und irritiert den Kopf und überlegte fieberhaft, ob das penetrant blaue ARAL-Licht vielleicht unzuträglich für seinen Kopf wäre.

„Du bist die erste Frau auf dem Mars!“ Er lachte hemmungslos. Oder war das schon irre? Dann warf er auch das Bounty auf den Boden und sprang darauf.

„Das schreit nach einer Meuterei auf dem Bounty!“, rief er begeistert und breitete seine Arme aus als erwarte er stürmischen Applaus.

Nun meine Frage: Soll ich mich weiterhin mit diesem Mann treffen oder ihn lieber über die Klippe fahren lassen?


Rockenschaub an Ratlos antwortet:

Liebes Roadmovie,

der Pirat und Sie sind nicht im Mindesten füreinander geschaffen. Sie haben so viel Synergie wie Captain Jack Sparrow und ein Haufen Hundescheiße im Karibischen Meer.

Ich empfehle Ihnen dringend, den Kontakt sofort abzubrechen.

Bevor Sie die Daten des Mannes allerdings endgültig löschen, bitte ich um seine Telefonnummer. Ein Foto benötige ich vorab nicht.


© Ruth Rockenschaub

Freundlichst unterstützt durch www.studiofunk.de



Wer nicht lesen will, muss hören!

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