Blöde Tussen auf flachen Schuhen

Wie schön es ist, ein Idiot zu sein. Harmlos wie eine Wolke und zu klein, die Sonne zu verdecken. Monty Python

Die nächste Parfümeriefachverkäuferin, die mich fragt, ob sie mir ein Creme-Pröbchen gegen Augenfältchen mitgeben darf, verklage ich.

Erstens finde ich das Wort Pröbchen eine Zumutung, weil es ekelig klingt, so wie Rote Grütze ekelig klingt, zweitens habe ich keine Augenfältchen, und wenn ich welche hätte, würde ich mich, drittens, gewiss nicht mit einer Parfümeriefachverkäuferin in flachen Schuhen darüber unterhalten wollen.


Ich habe neulich das Foto eines Mannes entdeckt, der tätowierte Luis Vuitton-Logos auf seinen Wangen trägt. So groß wie Fünfeuroscheine. Der komplette Rest von Gesicht und Hals ist mit einem Rapport des Symbols der Modemarke GUCCI bedeckt. Das ist dieses Muster aus gegeneinander verdrehten G mit Strichen dazwischen. Macht halbseidene Karos auf der Haut und einen schlanken Nacken. Der Kerl sieht aus wie ein gefälschter Markenboxsack aus Singapur.

Soll ich den mal zum Beauty Shopping in die Parfümerie mitbringen, und wir wetten, welche der Damen es wagen wird, ihm die Runzelpampe anzubieten? Da habe ich doch schon vorher haushoch gewonnen.


Neulich sitzen ich und meine makellose Augenumgebung in einer Besprechung mit Leuten, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als Tabellen auszufüllen, die sich am nächsten Tag schon wieder erledigt haben, wofür sie, im Gegensatz zu einer freischaffenden Künstlerin, also mir, am Monatsende Geld bekommen. Für nichts. Ist das nicht durchgeknallt?


Zur Auflockerung und allseitigen Entspannung habe ich dann, nach einem angemessenen Zeitraum der erzwungenen Ernsthaftigkeit, einen ziemlich guten Scherz über meine Lippen gleiten lassen, über den die gesamte Versammlung herzlich und ausgiebig lachen konnte. Ohne Ausnahme. Als die Erheiterung akustisch verebbte, glaubte jemand, seine Meinung herausrülpsen zu müssen und sprach: „Ach ja, die Künstler. Sind alle gleich. Immer einen dummen Spruch drauf.“


E.N.T.S.C.H.U.L.D.I.G.U.N.G! Wenn ach ja, die Künstler alle gleich wären, würden sie im Lager bei Ikea, bei der AOK oder im Einwohnermeldeamt arbeiten und den ganzen Tag Tabellen ausfüllen, die sich am nächsten Tag schon wieder erledigt haben. Was ist los? Was rauchen diese Menschen?


Und dann habe ich zu allem Überfluss am selben Tag auch noch gelesen, dass es geflüchtete Menschen gewagt haben, an der deutschen Grenze aufzutauchen. Sie waren im Besitz von Pässen aus einem Kriegsgebiet und haben sich schon bei der Grenzkontrolle total verdächtig gemacht.

Womit? Sie hatten, neben den gültigen, echten Reisedokumenten, die sie zweifelsfrei identifizierten, Kassenbons aus zwei anderen europäischen Ländern in den Taschen.

Nur zum Verständnis: Stellen wir uns vor, in Deutschland wäre Krieg. Sie schnappen sich ihren Pass und wollen nach Frankreich, und der Grenzbeamte entdeckt Kassenbons aus Belgien und Luxemburg in ihrem Gepäck. Das ist die Situation.


Ich bin nicht ganz sicher, wie das an der französischen Grenze verliefe, aber der deutsche Beamte ist da augenblicklich Gewehr bei Fuß und verteidigt sein Vaterland!


Wie? Er unterstellt, die betreffenden Geflüchteten hätten sich nicht ständig in dem Kriegsgebiet aufgehalten, dessen Bürger sie laut Papieren sind. Und Leuten, inklusive Kindern, die sich nicht ständig in dem Kriegsgebiet aufgehalten haben, ist die Einreise in unseren Garten Eden natürlich zu verweigern.

Und eine dienliche Formulierung haben wir dafür auch parat: Das Ganze heißt Vortäuschung einer Geflüchteteneigenschaft mit Bezug zu einem Krieg. Ich wiederhole: Vortäuschung einer Geflüchteteneigenschaft mit Bezug zu einem Krieg.


Und das, meine sehr geehrten Leserinnen, Leser, Hörerinnen und Hörer, ist so erbärmlich und abgewichst, dass es heute zur Strafe keinen dummen Spruch zum Abschluss gibt. Noch nicht mal für Geld. Bedanken Sie sich bei Deutschland.


© Ruth Rockenschaub

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