Knalltüten und andere Säcke

Ich hasse es, einkaufen zu gehen. Zumal, wenn es um Lebensmittel geht. Alles andere bestellt man ohnehin schon online. Bis auf Bücher.


Einkaufen ist verschwendete Lebenszeit. Es beginnt schon auf dem Parkplatz, wo renitente Bälger, samt ihrer blinkenden Sneakers, in den Einkaufswagen deponiert werden. Füße voran. Obenherum alle Mindestabstand und Desinfektion und untenherum Straßendreck, auf den ich gleich meine Radieschen legen soll. Widerlich. Und dann auch noch einen bevorzugten Elternparkplatz. Das verstößt gegen die Menschenrechte. Zumindest meine.


Beim Bezahlen kaufe ich dann eine dieser modernen Papiertragetaschen, die vermutlich in einem korsischen Knast zusammengeklebt werden. Darauf steht in künstlich nachgemachter, süßlicher Handschrift „Gemeinsam Verantwortung tragen“.


Wie bitte? Wer sollte das allen Ernstes wollen? Einträchtig Hand in Hand mit einer Supermarktkette etwas herumschleppen, von dem die Supermarktkette weniger versteht als ein Eimer Sand?


Und was ist mit Verantwortung genau gemeint? So etwas wie Pflichtgefühl? Oder eine Art Gewähr? Letztere kann es nicht sein, weil die bescheuerte Packpapierknalltüte noch nicht einmal den Weg bis zum Auto schafft, ohne unter der untragbaren Belastung von einem Liter Hafermilch, einem Pfund Kaffee und zwei Bananen unten aufzureißen und ihren Inhalt auf den Asphalt zu kotzen.


Die Sprache der Propaganda ist verräterisch. Sie lässt ihre Absender meist von Dingen sprechen, die sie selbst nicht beherrschen. Da reichen ein Blick in die Fleischtruhen und eine nähere Betrachtung der Produktionsorte von Obst und Gemüse.


Und deshalb macht es Sinn, die Zielgruppe, also uns, zu ermahnen, damit man sich etwas verdienen kann. Wenn schon keinen Friedensnobelpreis, den bekommen nämlich nur Säcke, die etwas aushalten, dann zumindest Geld. Das weiß der Supermarkt, und wir wissen es auch.


Gemeinsam Verantwortung tragen ist Werbetexter-Resterampe aus dem Papierkorb eines iPad AIR: Abgestandene, heiße Luft.


© Ruth Rockenschaub

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