Der größte TINDER-Schwindler EVER

Im Zuge meiner Überlegungen zur Buddha-Diät, Sie finden den Beitrag in der Kategorie MENSCHEN IRRE SENSATIONEN, drängte es mich, mir wieder einmal Gott und sein Bodenpersonal ins Gedächtnis zu rufen.


Ich bin in einer erzkatholischen Weltgegend aufgewachsen und durfte schon in sehr jungen Jahren erleben, dass diese schicksalhafte Verortung mit Jux, Dollerei und enthusiastischem Lärm belohnt wird. Und damit meine ich nicht nur dröhnenden Orgelklang, bodenlange Brokatfummel für Herren und qualmende Weihrauch-Täschchen zum Schwenken in Kirchengebäuden.


Weil es seitens meiner Erziehungsberechtigten für eine disziplinarisch wirkungsvolle Idee gehalten wurde, nahm ich, ein Mal und nie wieder, an einer kirchlichen Kinderfreizeit teil, die eine Gruppe von Achtjährigen für zwei unendliche Wochen auf einen stinkenden Bauernhof führte. Dort bekamen wir Butterbrote mit Marmelade, aber ohne Butter.


Diese romantische Exkursion in ein als Ferienspaß getarntes Boot Camp in der Pampa wurde durch einen Pfarrer und eine Kindergrupppenleiterin betreut.

Unser Pfarrer war sehr schick, Typ Shawn Mendes. Die Kindergruppenleiterin kam eher nerdig rüber, hatte aber Potenzial für später.

Die häufigen Dienstbesprechungen der beiden fanden stets im Schlafzimmer des Herrn Pfarrer statt und waren für Kinderohren klanglich grandios und didaktisch ausgesprochen wertvoll. Es lachte und quiekte und rumpelte und stöhnte. Wahrlich eine katholische Konfettikanone. Das muss der Spaß in Tüten gewesen sein. Fehlten eigentlich nur noch ein Organist und eine Passion von Johann Sebastian Bach.


Wenig später und kaum halb erwachsen, musste ich allerdings verblüfft zur Kenntnis nehmen, dass katholische Geistliche, im Gegensatz zu Gruppenleiterinnen, gar keinen Sex haben dürfen.

Aber warum denn nicht? Ist die Belegschaft des größten Männerclubs des Universums etwa schlecht im Bett? Gibt es zu viele erektile Dysfunktionen? Ich meinte ja, mich durchaus anders zu erinnern, hatte allerdings auch nicht die Lampe dabei gehalten. Das wäre unter Christen ebenfalls verboten gewesen, meine ich.

War es Gott bei der Planung seines globalen Konzerns etwa vorrangig daran gelegen, diesen nicht durch irgendwelche Versager ruiniert zu sehen? Blieb er, trotz aller Weisheit, gar ahnungslos, wie viel schlimmer künftige Verfehlungen sein würden? Und wäre es tatsächlich zu viel verlangt gewesen, sich einen lächerlichen Tag mehr für die Erschaffung der Welt zu nehmen und die Sache mit dem Geschlechtsverkehr noch einmal zu überdenken? Wozu diese unnötige Hast, die sich übrigens auch in Bezug auf Adam und Eva zeigte, wenn wir mal ganz ehrlich sein wollen?


Für alle Atheisten und Andersgläubigen: Adam und Eva kommen in der Bibel und im Koran vor. Sie sind das erste heterosexuelle Paar der Welt. Wenn man daran glaubt.

In dieser frühzeitlichen Konstellation war Adam der Freak. Vor seinem und Evas Kennenlernen sprach er ausschließlich mit Tieren. Das ist nicht weiter verwerflich. Das mache ich auch.


Für das allererste Blind Date seines Liebespaarversuchsmodells hat sich Gott als Location den Garten Eden ausgesucht – gemeint ist nicht die japanische Anime-Serie auf NETFLIX, sondern eine paradiesische Umgebung am Anfang der Zeit – also etwas vor TINDER.

Eva lustwandelt also durch die Botanik und sucht in der näheren Umgebung jemanden zum Kennenlernen und Flirten. Vielleicht hat sie sogar unverbindlichen Sex im Sinn. Das wäre durchaus möglich, denn die Gegend wird als Garten der Wonne beschrieben, und es ist heiß draußen. Man vermutet geografisch Aserbaidschan, Syrien, den heutigen Süd-Irak oder Jerusalem. Zirka.

Und wen schickt Gott, in all seiner Güte, der von ihm persönlich erschaffenen ersten Frau der Welt zu diesem so wichtigen Termin? Vielleicht fünf, sechs Jungs zur Auswahl, die sie je nach Gefallen, links oder rechts in die Büsche schicken kann? Aber nein! Eine sprechende Schlange ist es, die sich urplötzlich vor Evas Auge von einem Baum herunterhangelt und die junge Frau überredet, eine Portion Obst zu pflücken und zu essen. Ein unseliger Vorbote auf religiöse Low Carb Diäten.


An dieser Stelle muss man wissen, dass es sich bei besagtem Baum mitnichten um ein Exemplar handelt, das zur normalen Flora zu zählen ist. Dem Schöpfer hat es vielmehr gefallen, ihn extra höchstpersönlich anzupflanzen und Baum der Erkenntnis zu taufen. Eine, an sich, lobenswerte Aktion: Wer hätte schon etwas gegen die Vermehrung von Weisheit, Wissen und Weitblick einzuwenden? Und dann noch auf so einfache Art und Weise. An apple a day, vermute ich. Leider ist das Konzept ein anderes: Wer vom Baum der Erkenntnis isst, Originalton Gott, sündigt.

Ein infernalischer und zugleich genialer Plan: Erkenntnis als Sünde! Hammer! Das wollen wir den Taliban gar nicht erst erzählen. Kaum ja gesagt und schon einer Strafe würdig. Wie in einer normalen Ehe. Oder bei einem Treffen mit Harvey Weinstein in seiner Hotelsuite. Lauter durch Frauen verursachte Sündenfälle. Ein feministischer Supergau.


Eva ist also vom Reptil überredet, beißt in diese Frucht und hat dann auch noch das Pech, nicht, wie Schneewittchen, von sieben Zwergen umgeben in Ohnmacht zu fallen. Eva bleibt bei Bewusstsein und Gott schickt ihr seine lächerliche, geizige, schäbige, klägliche Auswahl: Adam. Nur Adam, wohlgemerkt – von dem wir noch nicht einmal wissen, ob er eventuell mit der falschen Schlange im Vorwege ein lauschig-konspiratives Gespräch geführt hat.

Was für ein Angebot ist das von einem, der in seiner göttlichen Macht angeblich alles zu tun vermag? Weiß der Schöpfer nicht, dass ein Match nur ein Match sein kann, wenn man davor erst einmal die Wahl hatte? Ist ihm gar unbekannt, dass es schon schwer genug sein kann, einen Mann zu ertragen, selbst wenn man unter mehreren Kandidaten aussuchen konnte? Außerdem: Wurde Eva auch nur ein einziges Mal nach ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gefragt? Wohl kaum.


Die allererste, religiös veranlasste, Annäherung zwischen Mann und Frau in der gesamten Menschheitsgeschichte war ein krasser Rohrkrepierer. Der Herr kann eben doch nicht alles.

Und genau das ist der Grund dafür, dass Marmeladenbrote, mit und ohne Butter, seit Anbeginn der Zeit und für alle Ewigkeiten immer und garantiert auf die Oberseite fallen.


© Ruth Rockenschaub

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